Warnstreiks bei Mahle in Neustadt a.d.D.: Beschäftigte kämpfen für Zukunft statt Abwicklung
Die IG Metall fordert Zukunftstarifvertrag – klare Zusagen für Beschäftigung und Investitionen
Neustadt a.d.D., 28. April 2026
Mit mehreren einstündigen Warnstreiks erhöhen die Beschäftigten von Mahle in Neustadt an der Donau heute den Druck auf das Management.
Bereits von 0:00 bis 1:00 Uhr legten alle Kolleginnen und Kollegen der Nachtschicht die Arbeit nieder. Weitere einstündige Warnstreiks fanden um 12:30 Uhr und um 14:30 Uhr in Früh-, Spät- und Normalschicht statt.
Ziel der Warnstreiks ist es, Bewegung an den Verhandlungstisch zu bringen und der Konzernzentrale in Stuttgart unmissverständlich zu zeigen: Die Belegschaft steht geschlossen hinter den Forderungen der IG Metall – und ist bereit, für die Zukunft ihres Standorts zu kämpfen.
Die erste Verhandlung am 22. April 2026 hat aus Sicht der IG Metall keinerlei belastbare Zusagen hervorgebracht.
Warum die Beschäftigten streiken
Seit Jahren fehlt es aus Sicht von IG Metall und Betriebsrat an verlässlichen Zusagen des Arbeitgebers zur Zukunft des Standorts Neustadt a.d.D.. Trotz vorhandener Kompetenz, guter Qualifikation und großer Einsatzbereitschaft der Beschäftigten gibt es bislang kein tragfähiges Konzept, das Beschäftigung sichert, neue Aufträge an den Standort bringt und notwendige Investitionen verbindlich festschreibt. Und das, obwohl ein Zukunftsprozess zwischen Arbeitgeber, Betriebsrat und IG Metall so ein Konzept erarbeiten soll.
„Der Arbeitgeber hält uns und die Beschäftigten schon sehr lange hin, es scheint ihm nicht ernst damit zu sein, den Menschen eine sichere Zukunft zu bieten. Das ist nicht nur unverantwortlich, sondern vielleicht sogar eine Strategie des Managements – zumindest legt das Verhalten der letzten Monate diesen Schluss nahe“, schätzt Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg die Lage ein. Die Unsicherheit wächst – und mit ihr die Sorge, dass der Standort schrittweise geschwächt und am Ende abgewickelt werden soll.
„Die Beschäftigten in Neustadt haben heute ein starkes, klares Signal gesendet“, sagt Irmischer weiter. „Sie wollen arbeiten, sie wollen produzieren, sie wollen Zukunft – aber sie brauchen dafür verlässliche Zusagen. Wer heute nicht bereit ist, ernsthaft über einen Zukunftstarifvertrag mit uns zu verhandeln, nimmt billigend in Kauf, dass ein leistungsfähiger, wirtschaftlich profitabler Standort vernichtet wird.“
Ein Standort mit Zukunft – wirtschaftlich sinnvoll und realistisch
Der Standort Neustadt a.d.D. verfügt über jahrzehntelanges Know-how, eingespielte Prozesse und hervorragend qualifizierte Fachkräfte. Aus Sicht der IG Metall ist es nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich vernünftig, den Standort zu stärken statt ihn abzuwickeln. In Zeiten industrieller Transformation braucht es Standorte, die flexibel, innovativ und leistungsfähig sind – genau das bringen die Beschäftigten in Neustadt tagtäglich ein.
„Wir haben hier keine Belegschaft, die auf der Bremse steht – ganz im Gegenteil“, betont Christian Neumeier, Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Verhandlungskommission. „Die Kolleginnen und Kollegen sind bereit, neue Wege zu gehen. Aber dafür braucht es Aufträge, Investitionen und eine klare Perspektive. Ohne ein Zukunftskonzept fährt der Arbeitgeber diesen Standort sehenden Auges gegen die Wand.“
Die Forderung der IG Metall: klar, fair und zweigeteilt
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Forderung nach einem Zukunftstarifvertrag für den Standort Neustadt a.d.D.. Dieser soll verbindlich regeln, wie Beschäftigung langfristig gesichert wird – durch die Ansiedlung von Aufträgen, Investitionen in den Standort und eine tragfähige Geschäftsgrundlage.
Sollte der Arbeitgeber jedoch nicht bereit sein, eine solche Zukunftsperspektive zuzusagen oder ernsthaft darüber zu verhandeln, geht die IG Metall davon aus, dass eine Abwicklung des Standorts geplant ist. Für diesen Fall fordert die IG Metall hohe Abfindungen, zusätzliche finanzielle Absicherungen sowie einen Mitgliederbonus für IG‑Metall‑Mitglieder, um die wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Menschen abzufedern.
„Wir wollen Zukunft – aber wir lassen uns nicht weiter hinhalten“, macht Klaus Achhammer, IG‑Metall‑Chef bei Mahle in Neustadt und Mitglied der Verhandlungskommission, deutlich. „Wenn der Arbeitgeber keinen Willen zeigt, den Standort zu erhalten, dann werden wir zumindest dafür sorgen, dass die Beschäftigten nicht die Zeche für diese falschen Managemententscheidungen zahlen.“
Warnstreiks als deutliches Signal
Mit den heutigen Warnstreiks machen die Beschäftigten klar: Sie sind organisiert, entschlossen und solidarisch. Die IG Metall erwartet nun, dass das Management dieses Signal ernst nimmt und im nächsten Verhandlungstermin substantielle Zusagen macht. Andernfalls sind weitere Schritte nicht ausgeschlossen.